Kapitel 3

Mycroft,

Ich hätte nicht gedacht das Du es schaffst, auch ich bin Dir dankbar, um Johns willen. Wo Du allerdings die Fähigkeit hergenommen hast Dich in John hineinzuversetzen ist mir ein Rätsel so viel Mitgefühl hast Du mir nie entgegengebracht. Aber vielleicht zwingt er Dich so wie er mich gezwungen hat, noch etwas neues zu lernen in Deinem Leben. Auch wenn ich zugeben muss das John mir immer noch ein Rätsel ist.

Mycroft saß in seinem Büro am Schreibtisch und verzog keine Miene beim lesen dieses Briefes, “Sieh nur zu das Du hier wieder auftauchst ich kann nicht ewig den Babysitter spielen.” knurrte er. Aus dem hintersten Winkel seines Bewusstseins meldete sich daraufhin eine dünne leise Stimme die er normalerweise geflissentlich überhörte: “Aber es hat Dir doch auch Spaß gemacht, dich über etwas anderes unterhalten zu können als die Arbeit..”  Er schüttelte heftig den Kopf nein das war so nicht wahr. Einfach nicht wahr. Er musste sich unbedingt wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren. 

Aber es hatte ihn gefreut zu sehen wie viel besser es John mittlerweile ging, noch mehr freuen würde er sich trotz allem wenn John ihm endlich ab und an absagen würde und wieder anfing eigene Dates zu organisieren.

Dr. Mortimer war wirklich eine gute Informationsquelle aber er musste vorsichtig sein sonst würde er doch noch Kameras installieren müssen. Außerdem wollt er John nicht dieses Kollegen berauben.

14 Tage später waren sie wieder zusammen essen. Weil John sich in den teuren Restaurants immer unwohl fühlte hatte Mycroft diesmal ein nicht so teures ausgesucht. Mit jedem Treffen stieg  Johns Vertrauen und sie verbrachten die meiste Zeit damit sich über Sherlock zu unterhalten, selbst Mycroft vermisste ihn und es half beiden das Vorgefallene zu verarbeiten. Sie waren sosehr in ihr Gespräch vertieft das sie Donovan und Anderson nicht bemerkten und erst auf die beiden aufmerksam wurden als diese an ihrem Tisch standen. 

"Sag bloß John du trauerst dem Freak immer noch hinter her. Ich sage Dir es war ein dreckiger kleiner Mörder der sich dabei noch befriedigt hat" war der Satz zur Begrüßung von Anderson. "Und wie ich sehe hast Du Dir wieder einen neuen Freak zugelegt. Du hast wohl von Deinem ersten noch nicht genug." schob Donovan hinterher. Mycroft straffte sich neben John lächelte sein nettestes Lächeln währen John sich neben ihm wand, zum einen weil er sich für die beiden schämte zum anderen weil er jetzt schon Mitleid mit ihnen hatte ohne auch nur zu ahnen zu was Mycroft fähig war. 

"Ahn, sie kennen also Sherlock Holmes persönlich ich bin vom CI5 und würde gerne noch eine zweite Meinung einholen. Sie verstehen sicher das Mr Watson hier vorbelastet ist und daher in seiner Aussage nicht so zuverlässig." Mycroft gab das alles mit einem ernsten Gesicht zum besten und John musste sehr an sich halten um nicht aus der Rolle zu fallen oder etwas zu verraten. "Setzen Sie sich doch zu uns an den Tisch und sagen mir wie Sie so zu Mr Holmes gestanden haben." Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen, sie setzen sich und legten los: "Am Anfang war er einfach nur unheimlich." sagte Donovan "Aber um so länger ich ihn kannte um so stärker wurde der Verdacht das er alles nur arrangiert hat. Ich konnte mir einfach nicht erklären wie er es schaffte einen Fall in der Hälfte der Zeit zu lösen die wir brauchten. Das ging einfach nicht mit rechten Dingen zu." "Außerdem waren viele Schlussfolgerungen einfach viel zu weit hergeholt" ergänzte Anderson. Dann meldete sich Donovan wieder zu Wort: "Mal abgesehen davon dass er wirklich kein Gespür für die Gefühle und Probleme anderer Menschen hat und die meiste Zeit einfach nur Taktlos ist." John hatte fast körperliche Schmerzen wenn er den beiden zuhörte wie sie ihr eigenes Grab schaufelten. Mycroft hatte den Absatz seines Schuhs auf Johns Fuß platziert genau auf dem Spann und jedes Mal wenn John anhob etwas zu sagen bohrte sich dieser Absatz in das dünne Fleisch das sich dort über den Knochen spannte. Der Schmerz war sensationell und versiegelte Johns Mund sehr effektiv. Die Leidensmiene die John dabei machte bestärkte die beiden noch in ihrem Tun. Aber bald hatte auch Mycroft genug, ohne eine Miene zu verziehen zückte er sein Mobiltelefon: "Entschuldigen Sie mich ich muss eben einen wichtigen Anruf machen. ….. 

Lestrade ja hier Mycroft Holmes” bei diesen Worten zuckten Anderson und Donovan zusammen und warfen einen flehenden Blick auf John Watson. Aber Mycroft sprach ungerührt weiter: “morgen früh haben Sie die Versetzungspapiere für Mr Anderson und Mrs Donovan auf dem Tisch ich weiß noch nicht wohin das werde ich mit Dr Watson zusammen entscheiden. …… 

Warum ich das tue, diese beiden haben meinen Bruder beleidigt und belästigen Dr Watson,was erwarten Sie das ich da tun soll. …… 

Mein Gott Lestrade sie werden andere neue Leute finden die eben so gut sind. …… 

Also gut ich gebe den beiden eine Chance wenn das Entschuldigungsschreiben vor meiner Versetzungsorder bei Ihnen auf dem Schreibtisch liegt.” 

Dann wandte er sich wieder Donovan und Anderson zu die ziemlich geknickt dreinschauten. “Meine Dame, mein Herr … wenn Sie uns nun alleine lassen würden, wir haben etwas wichtiges zu besprechen, nämlich in welches gottverlassene Kaff ich sie schicken werde. Ich wünsche einen angenehmen Abend.” und damit verbeugte er sich kühl und bedeutete ihnen das sie nun entlassen wären. Wie geprügelte Hund schlichen sie davon.

Erst als sie die Restauranttür hinter ihnen geschlossen hatte traute sich John loszulachen, sein Fuß tat noch höllisch weh. Bewundernd schaute er Mycroft an: “Das ich das noch erleben darf, tat das eben gut auch wenn ich zwischendurch einige Fremdschämattacken hatte. Warum hast Du mir eigentlich so auf den Füssen gestanden. Das tat weh.”

"Oh Gott John Du bist so ein schlechter Lügner ich musste einfach dafür sorgen dass Du nichts verrätst. Aber es freut mich dass Dir diese kleine Vorstellung gefallen hat." Insgeheim dachte er "Mir ist jetzt klar warum John glauben  muss das Sherlock tot ist, wenn er es nicht täte wäre es sein Tot." laut sagte er: "Und wohin wollen wir die beiden schicken. Einen traurigen Badeort wie Blackpool vielleicht oder irgendwo aufs Land in Cornwall, die Heighlands oder ein nettes Moor gingen ja auch, Dartmoor zum Beispiel." John dachte nach: "Eigentlich ist es mir egal Hauptsache ich sehe die nicht mehr. Aber wenn ich es mir richtig überlege wäre Blackpool nicht schlecht da passen die beiden genau hin. Lauter alte Tratschtanten und gruselige Tanzmusik" „Gut, so soll es sein" und mit diesem Satz winkte er der Kellnerin um bezahlen zu können.

© Katja Maibauer 2014